Europäische Plattform zum - WELTMARSCH DER FRAUEN 2000
 

Im Jahr 2000 werden auf der ganzen Welt im Rahmen des "Weltmarsch der Frauen" Aktionen und Demonstrationen von Frauen stattfinden.

In Montréal wurde eine weltweite Plattform mit Forderungen die Gewalt und die Armut, mit und in der viele Frauen leben, erarbeitet.

Erklärung

In Europa werden wir für unsere Forderungen nach Gleichberechtigung, Gerechtigkeit und Solidarität und gegen Gewalt, Diskriminierung und die Verweigerung von Rechten demonstrieren.
Wir Frauen in Europa werden für die Schaffung einer Welt marschieren, in der Frauen und Männer gleichberechtigt sind, einer Welt, in der die Herrschaft der Männer mit allem, was sie für Frauen an  Marginalisierung und Gewalt bedeutet,  abgeschafft ist.
Wir Frauen in Europa werden marschieren, um die dramatischen Konsequenzen, die das Gesetz des Profits zur Folge hat, anzuprangern und zu bekämpfen; wir werden für die Schaffung einer Welt marschieren, die auf der Teilung des Reichtums, auf Gleichberechtigung, Gerechtigkeit und Solidarität gegründet ist.
Wir Frauen in Europa werden marschieren, um unseren Einsatz für Frieden, Entwicklung und Demokratie zum Ausdruck zu bringen.
Wir Frauen in Europa werden in Solidarität mit den Frauen aus den ärmsten Ländern marschieren und unterstützen ihre Forderungen.

Dieser Marsch ist ein Schritt in Richtung auf die Entwicklung von Frauennetzwerken, die eine Gegenkraft darstellen und sich gegenüber den europäischen Organisationen und den Regierungen der einzelnen Länder Gehör verschaffen werden.

Wir fordern eine tatsächliche Umkehr im Denken und wollen nicht mehr auf einen den Frauen versprochenen angeblich "gleichberechtigten Zugang" warten.
Forderungen
I - FÜR EIN SOLIDARISCHES, DEMOKRATISCHES, OFFENES EUROPA

Frauen sind von den Auswirkungen der wirtschaftlichen Globalisierung zentral betroffen: Flexibilisierung, unsichere Arbeitsplätze, Ausbeutung, Entwurzelung, Anstieg der Ungleichheit, Infragestellung des Erreichten.  In Europa wie überall auf der Welt bezahlen vor allem Frauen den Preis für die Globalisierung, indem sie nach der Logik des Wettbewerbs die Hauptmasse der flexiblen und billigen Arbeitskräfte darstellen. Sie sind von Wirtschaftskrisen und Umstrukturierungen am stärksten betroffen. In Mittel- und Osteuropa hat der Übergang zur Marktwirtschaft 75 Millionen Menschen, und Frauen in erster Linie, in Schwierigkeiten gebracht. Die jetzt den Gesetzen des Marktes unterworfenen sozialen Rechte sind nicht mehr gewährleistet, die öffentlichen Dienstleistungen werden abgebaut, die öffentlichen Investitionen sinken. Diese Situation erzeugt die Bedingungen für den Ausbruch von Unruhen und ethnischen Konflikten, deren erste Opfer immer die Frauen sind.

WIR WOLLEN

EIN SOLIDARISCHES EUROPA, das alle seine Kraft einsetzt, um die sich vergrößernde Kluft zwischen reichen Ländern und Ländern mit ökonomischen Problemen sowie zwischen Frauen und Männern zu verringern.

Wir schließen uns den internationalen Aufrufen an, die eine Kontrolle der Welthandelsorganisation (WTO) durch die Bevölkerung fordern, ein Moratorium für alle Entscheidungen, die die Befugnisse der WTO erweitern und eine Deregulierung in vielen Bereichen bewirken würden, eine Steuer auf finanzielle Transaktionen (Tobin-Steuer) und alle Maßnamen, die geeignet sind, den Einfluss der multinationalen Unternehmen und der Kapitaleigner einzuschränken. Wir wollen, dass jedes europäische Land seine Zusammenarbeit mit anderen Ländern daran ausrichtet, die Gleichberechtigung von Frauen und Männern zu fördern.
EIN DEMOKRATISCHES EUROPA, das die Beteiligung der Frauen im öffentlichen Leben fördert.
Überall, auch in den westlichen Demokratien, sind Frauen Staatsbürgerinnen zweiter Ordnung. Ihre erkämpften Rechte werden ständig in Frage gestellt, und dieselben Regierungen, die sich über die Lebensbedingungen der Frauen im Süden empören, unterstützen die oftmals diktatorischen Regime, die über diese Frauen herrschen.


EIN EUROPA DER NACHHALTIGEN ENTWICKLUNG
Überall hat der Wettbewerb zwischen den Staaten und den Unternehmen verheerende Folgen: Die Umwelt wird durch Ausbeutung der Ressourcen und durch Verschmutzung zerstört.


EIN EUROPA DES FRIEDENS
Der Rüstungswettlauf geht immer noch weiter und missachtet die Rechte der Menschen auf der ganzen Welt.

EIN OFFENES EUROPA, das, anstatt sich - wie durch die Verträge von Schengen vorgesehen - in eine Festung zu verwandeln, den EmmigrantInnen einen Platz einräumt und Diskriminierungen ihnen gegenüber (besonders gegenüber den Frauen) abschafft.
Für die Ausländerrinnen und Immigrantinnen fordern wir insbesondere


EIN UMFASSENDES EUROPA,
das alle europäischen Länder einschließt, die östlichen wie die westlichen, die nördlichen wie die südlichen.
Im Rahmen des Weltmarsches der Frauen werden Frauen aus allen diesen Ländern gemeinsam marschieren.

II - GEGEN ARMUT, UNSICHERE ARBEITSVERHÄLTNISSE, FÜR SOZIALE, ÖKONOMISCHE UND BERUFLICHE GLEICHBERECHTIGUNG
 

Frauen und Mädchen verrichten weltweit zwei Drittel der Arbeit. Der Großteil dieser Arbeit wird jedoch weder bezahlt noch anerkannt oder geschätzt. Und doch würde nichts mehr funktionieren, wenn die Frauen aufhörten zu arbeiten. Überall und seit jeher verrichten Frauen die Hausarbeit.
Frauen sind von Arbeitslosigkeit und unsicheren Arbeitsverhältnissen am stärksten betroffen. Nur selten bekommen sie die höchstgeschätzten Arbeitsplätze, und ihr Einkommen bleibt unter dem der Männer.

Zum Recht auf Arbeit und um die Arbeitslosigkeit zu beenden, fordern wir


Zur Gleichberechtigung von Frauen und Männern im Arbeitsleben fordern wir


Zu den sozialen Rechten, die ein menschenwürdiges Leben ermöglichen, fordern wir

Eine Grundsicherung für alle in akzeptabler Höhe soll ein Leben lang garantiert sein. Die Reduzierung der Militärausgaben würde es erlauben, beträchtliche Summen für soziale Aufgaben zur Verfügung zu stellen.

Gegen die verschiedenen Formen von Diskriminierung fordern wir

Wir fordern Maßnahmen und Kampagnen in Familienpolitik und Familiengesetzgebung, die eine gerechte Verteilung der Hausarbeit zwischen Männern und Frauen bewirken.
III - FÜR DAS RECHT DER FRAUEN, ÜBER IHREN KÖRPER ZU VERFÜGEN UND IHREN LEBENSSTIL, IHRE SEXUALITÄT UND SEXUELLE ORIENTIERUNG ZU WÄHLEN

Die Staaten müssen den Frauen das Recht zuerkennen, über ihren eigenen Körper und ihr Leben zu verfügen, und müssen allen Frauen den Zugang zu Verhütungsmitteln, zur Abtreibung, zur freiwilligen Sterilisation sowie die freie Wahl ihrer Sexualität garantieren.

Zum Recht auf Verhütung, Abtreibung und freiwillige Sterilisation fordern wir,


Zum Recht, den eigenen Lebensstil und die sexuelle Orientierung zu wählen, und um der Gewalt gegen Lesben zu begegnen fordern wir,

IV - FÜR DIE BESEITIGUNG JEGLICHER GEWALT GEGEN FRAUEN

Alle Formen von Gewalt gegen Frauen und Mädchen müssen als Verletzung der grundlegenden Menschenrechte begriffen werden. Sie können durch keinerlei Sitte, Religion, Kultur oder politische Umstände gerechtfertigt werden. Sie haben ihre Wurzeln in den Geschlechterbeziehungen in der Gesellschaft als ganzer und sind daher nicht die "Privatangelegenheit" der Opfer. Sie sind vielmehr ein gesamtgesellschaftliches Phänomen und rühren daher, dass die Gesellschaft diese Formen von Gewalt noch immer duldet. Sie haben eine ganze Reihe von körperlichen, seelischen, geistigen und finanziellen Folgen, deren sich die Staaten bewusst sein müssen. Sie zielen darauf ab, die Würde und das Selbstwertgefühl von Frauen und Mädchen zu zerstören. Sie werden in bewaffneten Konflikten eingesetzt, um Frauen zu demütigen und zu vernichten, ein Gebiet zu unterwerfen, den Feind zu entmutigen und "ethnische Säuberungen" durchzuführen. SIE DÜRFEN NIEMALS HINGENOMMEN WERDEN.

Unsere Forderungen zielen darauf ab, die Gesetzgebung in den verschiedenen europäischen Staaten in Richtung auf das höchste Niveau zu harmonisieren, um größtmögliche Wirksamkeit im Kampf gegen die Gewalt zu erreichen.
Auch wenn die meisten europäischen Staaten im Lauf der letzten beiden Jahrzehnte eine Reihe von immer umfangreicheren Gesetzen verabschiedet haben, so möchten wir unterstreichen, dass es nicht ausreicht, Gesetze zu beschließen - so gut auch immer sie sein mögen -, sondern dass auch ihre Umsetzung sichergestellt werden muss.
Wir fordern, dass in jedem Land unabhängige Instanzen zur Kontrolle der Umsetzung von Gesetzen geschaffen werden, an denen auch Frauenrechtsorganisationen und Organisationen von Gewaltopfern beteiligt sind.

FÜR EIN EUROPA, DAS GEWALT GEGEN FRAUEN UND MÄDCHEN ÜBERALL AUF DER WELT BEKÄMPFT

Insbesondere müssen alle Ausbildungssysteme dahingehend reformiert werden, dass Sexismen und Klischees zu Geschlechterrollen und sexueller Orientierung, da sie der Gleichberechtigung abträglich sind, abgeschafft werden und stattdessen der Respekt gegenüber der bzw. dem anderen gefördert wird. Alle im Unterrichtsbereich Tätigen müssen eine entsprechende Ausbildung erhalten.

FÜR EINE VERBESSERUNG DER STRAFPROZESSVORSCHRIFTEN fordern wir,


ZUR BEKÄMPFUNG VON VERGEWALTIGUNGEN fordern wir,


ZUR BEKÄMPFUNG VON GEWALT IN EHE UND PARTNERSCHAFT fordern wir,


ZUR BEKÄMPFUNG VON MISSHANDLUNG UND SEXUELLER GEWALT AN KINDERN fordern wir,


ZUR BEKÄMPFUNG VON SEXUELLER BELÄSTIGUNG fordern wir,


ZUR BEKÄMPFUNG VON SEXUELLER VERSTÜMMELUNG fordern wir,


ZUR BEKÄMPFUNG VON ERZWUNGENEN HEIRATEN fordern wir,


ZUR BEKÄMPFUNG VON GEWALT GEGEN LESBEN fordern wir,


WIR VERURTEILEN DIE PORNOGRAPHIE, die eine Form von Gewalt gegen Frauen und Kinder darstellt und ihre Körper in entwürdigender Weise missbraucht, sei es zu kommerziellen Zwecken oder nicht.

ZUR BEKÄMPFUNG VON ZUHÄLTEREI UND HANDEL MIT FRAUEN UND KINDERN fordern wir,

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